Blick in die Ausstellung

   
 




 
 

Wo Krankheit zum
Alltag gehört

     
  Wo Krankheit zum
Alltag gehört „ 4,5 Kilo.“ Schwester Floride notiert den Wert gewissenhaft in das Heft, das ihr die Mutter der kleinen Hatisema reicht. Strampelnd wird das Mädchen aus dem Gurt befreit, mit dem sie an einer Waage hing, wie ein Sack Mehl am Haken des Lebensmittelhändlers. Schwester Floride ist zufrieden: Als Hatisema geboren wurde, wog sie 2,5 Kilo. Mit acht Monaten wog sie ein Kilo mehr. Jetzt, zwei Monate später und mit Hilfe des Ernährungsprogramms der Schönstätter Marienschwestern, hat die Kleine erneut ein Kilo zu gelegt und ist „auf dem richtigen Weg“, wie Schwester Floride meint.
     

Die meisten der Kinder, die von ihren Müttern in die Klinik von Mutumba bringen, sind unterernährt und krank. Krankheit und Ernährung hängen ebenso zusammen wie Ernährung und Armut und Armut und Krieg. Mutumba, etwa 50 Kilometer südlich von Burundis Hauptstadt Bujumbura am Tanganjikasee gelegen, liegt in der Zone der Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Regierungsarmee. Das Gesundheitssystem, in dieser Region Afrikas ohnehin labil, ist durch die seit Jahren anhaltende Bürgerkriegssituation hoffnungslos überfordert. Medikamente gibt es fast nur noch in den von kirchlichen Trägern geleiteten Kliniken.

 
     
  Dazu kommt die neue Geißel Afrikas, die Immunschwächekrankheit Aids. Bei mehr als 12 Prozent liegt nach offiziellen Statistiken die Rate der HIV-Träger innerhalb der Bevölkerung Burundis. In Afrika zählen derzeit 13,4 Millionen Kinder unter 15 Jahren zu den Aids- Waisen. Diese Zahl, so die Schätzungen, wird sich bis 2010 auf 25 Millionen erhöhen. Krankheit, das ist alltäglich in Afrika – so wie der Tod, auch und gerade unter Kindern. Unterernährung und Krieg erhöhen zudem das Risiko der Geburt behinderter Kinder.
 
     
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  Elisa Iyacremye

hat Aids. Seinen 13. Geburtstag wird der 12-Jährige nicht mehr erleben. Die Mutter infizierte das ungeborene Kind. Sie starb, als er zu klein war, um sich noch an sie zu erinnern. Inzwischen sind auch der Vater und dessen zweite Frau an den Folgen der Immunschwäche gestorben. Elisa hat nur noch seine 18-jährige Schwester Grace.

Elisa hat letztes Jahr die Schule abbrechen müssen. Seine Schwester tat es ihm gleich, um den kleinen Bruder pflegen zu können. Viel kann Elisa in der Hütte, die die beiden bewohnen, nicht mehr tun: Wasser zu holen fordert ihn bis zur Erschöpfung. Regelmäßig kommt eine deutsche Ordensfrau und Ärztin, um dem Jungen Essen und Medikamente zu bringen – gegen Aids ist sie machtlos.